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BKK ProVita

Ein Jahr Corona oder: Wie die Pandemie unser Leben verändert

Nachhaltigkeit und Achtsamkeit werden wichtiger – auch nach der Pandemie?

Vor einem Jahr begann die Corona-Pandemie, sich in Deutschland auszubreiten. Im März 2020 wurde das öffentliche Leben in ganz Deutschland heruntergefahren, um das dynamische Infektionsgeschehen einzudämmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dazu bei ihrer Pressekonferenz am 16. März 2020: „Das sind Maßnahmen, die es in unserem Lande so noch nicht gegeben hat und die natürlich einschneidend sind.“

Ein Jahr später wollen wir beleuchten, wie die Pandemie unser Leben bisher verändert hat. Was macht uns das Leben schwer? Wo haben wir gar gewonnen? Was bleibt von Corona? Was können wir für die Zukunft lernen?

Corona hat das Leben der Menschen drastisch verändert: Kinder können nicht mehr in die Schule oder Kita gehen, Universitäten, Gastronomie und Geschäfte sind geschlossen, Arbeitnehmer sollen statt im Büro im Home-Office arbeiten, Menschen dürfen sich nur noch sehr eingeschränkt treffen, Abstands- und Hygieneregeln sind zu beachten und dazu kommt auch noch die Maskenpflicht.

Viele Menschen haben Angst: Angst vor Ansteckung, Angst vor sozialer Isolation, Angst davor, etwas falsch zu machen. Andere kämpfen mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, wie Kurzarbeit, Betriebsschließung oder Insolvenz. Insgesamt treffen die Einschränkungen die einen sehr hart, andere können der Situation aber auch Positives abgewinnen.


„Ich hätte gerne auf diese Erfahrung verzichten können. Mir fehlen die sozialen (persönlichen) Kontakte sehr und ich hoffe, dass die Pandemie in absehbarer Zeit ihr Ende findet. Irgendwann schlägt die ganze Situation doch sehr aufs Gemüt!“

Hans Stöberl 
Vertriebsbeauftragter München

„Mich trafen Pandemie, Lockdown und die plötzliche Pflegebedürftigkeit meiner Mutter fast gleichzeitig. Nebenbei schulpflichtige Kinder und ein Beruf. Dies alles unter einen Hut zu bekommen, alles zu bedenken und doch weiterhin mit positiven Gedanken am Leben teilzunehmen, ist die kleine, aber vielleicht auch die große Kunst, die man Leben nennt.

Gerade diese Phase meines Lebens hat mir gezeigt, dass wir das Leben mit all seinen Hindernissen lieben und leben sollten. Ich habe in dieser Zeit gesehen, wer und was mir im Leben wirklich wichtig ist.“

Monika Mayer
Vorstandsassistentin

Lockdown im März 2020: Plötzlich war alles anders

Am Anfang herrschte bei den meisten Menschen große Verunsicherung. Jetzt, nach einem Jahr, empfinden viele die anhaltende Ausnahmesituation als zermürbend. Es ist nicht verwunderlich, dass die psychischen Erkrankungen im vergangenen Jahr zugenommen haben. So teilte die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung e.V. mit, dass die Patientenanfragen in psychotherapeutischen Praxen im Corona-Jahr um 40 Prozent gestiegen seien.

Bei den Versicherten der BKK ProVita sind die Erstanträge für Psychotherapie vor allem zu Beginn des zweiten Lockdowns im Oktober und November 2020 deutlich angestiegen. Die Verordnungen von Psychopharmaka waren im ersten Lockdown im März 2020 um 28 Prozent höher als im Vorjahr. In dieser Zeit war auch die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aufgrund psychischer Erkrankungen deutlich erhöht.

Von der direkten Gefahr, die von Corona ausgeht, berichtet uns Dagmar Martin. Sie ist Rotkreuzschwester im Rotkreuzklinikum München. Seit dem Ausbruch der Pandemie hat sie erst 9 Wochen im Frühjahr 2020 und dann 13 Wochen von November 2020 bis Februar 2021 auf einer Covid-Isolationsstation gearbeitet.

Die zweite Welle im Herbst hat sie so erlebt:


„Die Station füllte sich sehr schnell mit Covid-Patienten, der größte Ansturm war während der Weihnachts-Feiertage zu verzeichnen. Es war eine große körperliche und psychische Herausforderung, 20 schwerkranke Isolationspatienten zu versorgen. Besonders belastend für uns Pflegende waren die vielen Toten. Die zum Teil schwerkranken und/oder hochbetagten Patienten können dem Virus nur wenig entgegensetzen.

Obwohl wir Angehörigen-Besuche in der finalen Phase zugelassen haben, war der Tod doch vielfach einsam. Das Letzte, was die Sterbenden in ihrem Leben wahrgenommen haben, waren vollvermummte Pflegekräfte in Schutzkleidung. Die letzte menschliche Berührung, die sie spürten, trug Gummihandschuhe. Das macht mich immer noch traurig. Auch viele der jüngeren Patienten hatten zum Teil so schwere Verläufe, dass wir sie nach der Verlegung auf die Intensivstation nicht mehr wiedergesehen haben. Sie haben nicht alle überlebt.

Unendlich dankbar bin ich dafür, dass sich eine Kollegin aus der Klinik nach schwerstem, intensivpflichtigem Krankheitsverlauf nun wieder auf dem Weg der Besserung befindet.“

Dagmar Martin
Rotkreuzschwester München

„Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die psychische Gesundheit aus“

Michaela Ott, Psychologin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der BKK ProVita, klärt über Risikofaktoren auf:

  • Wir alle bewegen uns im ständigen Spannungsfeld zwischen Restriktionen und Verantwortungsübernahme auf der einen Seite und dem Wunsch nach Freiheit in der Gestaltung unseres Alltags auf der anderen Seite.
  • Der Fortlauf der Pandemie ist nur schwer absehbar. Diese Ungewissheit erzeugt Stress.
  • Gerade psychisch vorbelastete Menschen sind in der Krise stärker gefährdet. Sie haben häufig ein weniger intaktes soziales Netzwerk und reagieren empfindlicher auf Stress. Weniger soziale Kontakte oder gar Isolation können symptomverstärkend wirken.
  • Interessanterweise leiden insgesamt unter 30-jährige deutlich stärker unter den Maßnahmen der Corona-Pandemie. Das zeigen mehrere Studien über unterschiedliche Länder hinweg. Eine Erklärung hierfür ist, dass Jüngere stärker sozial aktiv sind, sich mehr über ihre „Peer-Group“ definieren und die Einschränkungen des Lockdowns deshalb deutlicher spüren.
  • Einsamkeit ist ein ernstzunehmender Risikofaktor, der durch den Lockdown und andere Maßnahmen der Pandemie-Bekämpfung zusätzlich verstärkt wird. Singles, Arbeitslose und vor allem jüngere Menschen leiden verstärkt unter Einsamkeit.
  • Außerdem leiden insbesondere Kinder, die als empfindsame Wesen gelten, unter dem Pandemie-Geschehen. Das zeigt eine Studie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE). Fast jedes dritte Kind zeigt ein knappes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland psychische Auffälligkeiten. Sorgen und Ängste haben zugenommen. Aber auch psychosomatische Beschwerden, wie Niedergeschlagenheit, Kopf- oder Bauchschmerzen sind verstärkt zu beobachten. Kinder, die aus sozial schwächeren Haushalten kommen, sind in besonderem Maße betroffen. Bei ihnen werden auch Gewichtszunahmen beobachtet. Das kann unterschiedliche Ursachen haben: ungesunde Ernährung, Frustessen, zu wenig körperliche Aktivität.

Psychoneuroimmunologie (PNI): Eine junge Wissenschaft warnt vor den gesundheitlichen Folgen von Social Distancing

Die PNI ist eine relativ junge Wissenschaft. Sie untersucht, wie sich das psychische Befinden und das soziale Umfeld auf die Immunaktivität auswirken. Chronische Einsamkeit (über Monate oder Jahre) erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen.

Durch den Mangel an sozialen Kontakten kann die psychische Belastung ansteigen, der Körper gerät in einen Dauerstress-Zustand. Stresshormone werden im Übermaß ausgeschüttet, die Immunabwehr wird geschwächt. Umgekehrt können familiäre Eingebundenheit und ein gutes Netz an sozialen Beziehungen als Stresspuffer fungieren. Kurz: Soziale Teilhabe, Kontakte und Nähe sind für unsere Gesundheit unabdingbar. So birgt die Pandemiebekämpfung mit Lockdowns und Social Distancing auch eine gesundheitliche Gefahr.

Wie groß die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie sein werden – bei denen, die an Covid-19 erkrankt sind, ebenso wie bei denen, die aufgrund den weitreichenden Maßnahmen der Pandemiebekämpfung psychische oder physische Schäden davontragen –, wird sich wohl erst in den nächsten Jahren herausstellen.


Wie haben sich die Menschen durch Corona verändert?

Alle Menschen mussten ihr Verhalten ändern. Zur Pandemie-Bekämpfung wurde ihnen ein hohes Maß an Rücksichtnahme und Flexibilität abverlangt. Und es ist ein tiefgreifender Wandel zu beobachten: Nicht nur die Lebensgewohnheiten haben sich verändert, sondern auch das Konsumverhalten – und viele Überzeugungen:

Job? Hauptsache sicher!

„Ich arbeite seit 20 Jahren mit Menschen, die sich beruflich umorientieren wollen oder müssen. Mit den Maßnahmen infolge der Pandemie ist das Bedürfnis nach Sicherheit schlagartig gewachsen. Jobsuchende schauen mehr denn je nach Stellen, die vermeintlich sicher sind, streben also in Konzerne oder Behörden. Was nach Schnelllebigkeit aussieht, wird von vornherein ausgeschlossen – aus Angst vor der Zukunft.

Ich erkenne auch deutlich weniger Vertrauen in den Bewerbungsprozess, nach dem Motto: Da passiert doch jetzt sowieso nichts. Und: Selbst wer schon länger unzufrieden und unglücklich in seinem Job ist, hält jetzt an seiner Position fest.“

Annemette ter Horst
Geschäftsführerin der Karriereberatung econnects GmbH


Zahlen – Daten – Fakten

  • Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, starteten oder landeten 2020 aufgrund der Corona-Pandemie 74,5 Prozent weniger Fluggäste auf den 24 größten Verkehrsflughäfen in Deutschland .
  • Laut einer Pressemitteilung des Bundesumweltamtes vom 16.02.2021 sanken die an verkehrsnahen Messstationen in Städten gemessenen NO2-Konzentrationen im Zeitraum des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 im Mittel um 20 bis 30 Prozent. Dies zeigen Auswertungen, in denen die meteorologischen Einflüsse herausgerechnet wurden.
  • Das Spendenniveau stieg im Jahr 2020 stark an. Der Deutsche Spendenrat e. V. teilte am 16.02.2021 in einer Pressemitteilung mit, dass die Deutschen rund 5,4 Milliarden Euro gespendet hätten, das sei eine Steigerung zum Vorjahr um 5,1 Prozent. Im Monatsverlauf zeigt sich ein fast durchgängiges Wachstum der Spendenbereitschaft gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten. Dabei ist auffällig, dass sich die Spendenbereitschaft parallel zu den Infektionszahlen/Lockdown-Maßnahmen entwickelt.
  • Der Lebensmittelkonsum hat sich in der Corona-Krise verändert. Bei einer Umfrage von destatis gaben 20 Prozent der Befragten im Jahr 2020 an, dass sie seit Corona häufiger regionale Lebensmittel kauften. Zudem kochten 19 Prozent häufiger als vor der Krise.
  • Die Zahl der neu angemeldeten Hunde hat sich im Jahr 2020 in München verdreifacht.

Durch Corona „auf den Hund gekommen“

„Ich gehöre zu denen, die durch Corona „auf den Hund gekommen“ sind: Nach Angaben des Verbands für das deutsche Hundewesen (VDH) wurden im Jahr 2020 rund 20 Prozent mehr Hunde gekauft als in den Jahren davor.

Meine beiden Töchter im Teenager-Alter hatten zu Beginn des ersten Lockdowns angefangen, regelmäßig die beiden Nachbarshunde auszuführen. Natürlich kam von ihnen irgendwann die Frage, ob wir uns nicht selber einen Hund anschaffen können. Wir Eltern haben erstmal fast automatisch abgelehnt mit dem Satz „Nein, das geht bei uns nicht“ – merkten aber dann, dass diese Aussage gar nicht mehr zutraf: Haus mit Garten, partielle Home-Office-Lösungen, zwei Kinder, die alt genug sind, mögliche „Betreuungslücken“ im Alltag selber zu schließen…

So kam relativ kurzfristig unser Lockdown-Hund „Ella“ ins Haus – eine ca. vierjährige Tierschutz-Hündin aus Ungarn. Sie trägt seitdem stark zu einem positiven Familienleben bei. Corona hat, so gesehen, unsere Familie sogar bereichert.“

Angelica Bergmann
Social Media Lead

  • Gemeinschaft wird von vielen Menschen sehr vermisst. Es müssen andere Wege der Kommunikation gefunden werden.

„Im Großen und Ganzen hat die Pandemie das öffentliche Leben entschleunigt. Ich genieße die Ruhe, die durch die Schließung vieler Läden in den Städten eingekehrt ist. Da ich sehr ländlich wohne, habe ich meine eigene kleine Welt mit meinen Tieren und meinem Partner.

Mir fehlt es aber, die schönen Dinge mit Freunden zu teilen. Regeln, die nicht nachvollziehbar bzw. widersprüchlich sind, schmälern mein Verständnis für diese. Regelungen, die jeder anders interpretiert und umsetzt, führen zu Unmut. Die gesteigerte Aggression vieler Mitmenschen ist belastend.“

Sabrina S.
Sachbearbeiterin Sachleistung

  • Nachhaltigkeit bekommt einen höheren Stellenwert. Die Umwelt wird geschont durch weniger Verkehr und Konsum. Auch wird den Menschen die Notwendigkeit von nachhaltigem Handeln bewusster.
  • Gesundheit: findet mehr Beachtung, weil sie in Gefahr ist. Viele erkennen ihre Wichtigkeit.

„Der Lockdown zwingt zur Entschleunigung und führt zu viel mehr Zeit mit der Familie. Sofern es gelingt, diese Situation gut zu gestalten, ist es ein echter Gewinn. Gleichzeitig rückt wieder stärker ins Bewusstsein, dass Gesundheit nicht selbstverständlich, sondern ein großes Geschenk ist.“

Wolfgang Trauner
Hauptabteilungsleiter Finanzen, Controlling und Organisation

„Die Corona Erkrankung hat mich sehr lange außer Gefecht gesetzt. Das hätte ich davor nicht für möglich gehalten. 11 Tage in Folge hatte ich über 40 Grad Fieber. Mein Körper war energetisch komplett leer. 5 Monate lang war an körperliche Belastung überhaupt nicht zu denken, weil ich enorme Lungenprobleme hatte. Das ist für einen 27-jährigen Sportler natürlich sehr ernüchternd. Erst jetzt, nach einem halben Jahr, kann ich sehr moderat wieder meinen Hobbys wie Wandern oder Mountainbiken nachgehen.

Nichtsdestotrotz gehe ich sehr aktiv und keineswegs ängstlich mit dem Thema um. Meine Geschichte, und auch die meines Bruders, der ähnlich sportlich ist wie ich und auch lange mit den Corona-Folgen zu kämpfen hatte, hat mir gezeigt: Ja, es kann auch junge, sportliche Menschen sehr hart treffen. Der Respekt gegenüber diesem Virus sollte auf jeden Fall da sein.

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht die Motivation und Lust in unserem Alltag verlieren. Ich habe ein tolles soziales Umfeld, mit dem ich auf kreative Art und Weise durch diese Erkrankung gegangen bin. Es war schön zu sehen, wie kleine Gesten und gemeinschaftliche Werte wieder mehr Bedeutung gewonnen haben! Das kann ich definitiv positiv aus meiner Corona-Erfahrung mitnehmen.“

Markus Mosig
Referent für Nachhaltigkeit

  • Bewegung: Sport in Gemeinschaft ist nicht möglich, es kann nur Individual-Sport im Freien stattfinden. Dies führt zu einem engeren Bezug zur Natur.

„Auch wenn nicht jeder Tag zu Hause, wo derzeit auch wieder Büro und Klassenzimmer ist, ein Vergnügen ist, versuchen wir, das Beste daraus zu machen. Wir wachsen daran und erkennen unsere Möglichkeiten sowie unsere Grenzen neu.“

Mehr in der Natur spazieren gehen und Fahrradfahren mit unserem Sohn tut gut, ein Treffen mit einem Freund ist etwas Besonderes und das Allerwichtigste ist: Schön, dass wir uns haben.“

Silvia Nelke
Finanzbuchhaltung

  • Ernährung: Genuss und gesunde Ernährung sind den Menschen wichtiger geworden. Es wird mehr zuhause gekocht, es findet öfter gemeinsames Essen in der Familie oder Wohngemeinschaft statt.
  • Achtsamkeit: Viele Menschen sind zur Entschleunigung gezwungen, da viele Veranstaltungen, Reisen, Termine, Verpflichtungen wegfallen. Die gewonnene Zeit kann für Entspannung und Achtsamkeit genutzt werden. Man beschäftigt sich mehr mit sich selbst.

„Durch den Lockdown hatten alle endlich weniger „wichtige“ Termine, so haben wir wieder mehr Zeit für uns als Familie gefunden. An dem bewussteren Zusammenleben wollen wir nun versuchen festzuhalten.“

Sylvia Ubl
Sachbearbeiterin Service-Center Wiesbaden

  • Fairness rückt ins Bewusstsein. Es gibt zahlreiche Corona-Hilfsprojekte und mehr Nachbarschaftshilfe. Auch die Spendenbereitschaft stieg an.
  • Häusliches Leben wird aufgewertet, die Menschen sind viel mehr in ihren eigenen vier Wänden. Damit wird die Nachbarschaft wichtiger, es ist Zeit für kreative Dinge wie Musizieren, Malen, Heimwerken. Und: Es ist wichtiger, wo und wie man wohnt.

„Ich konnte aufgrund der Grenzschließung im ersten Lockdown meinen Lebensgefährten – der in der Schweiz wohnt – zwei Monate lang nicht mehr sehen. Wir hatten uns seit drei Jahren jedes Wochenende gesehen und durften uns von heute auf morgen nicht mehr treffen. Momentan sind die Grenzen zwar für uns geöffnet, aber bei jedem Abschied hat man ein banges Gefühl und fragt sich, ob die Grenzen offenbleiben und man sich weiterhin sehen kann.

Seit Corona arbeite ich außerdem im Homeoffice. Das sehe ich jedoch positiv, da ich mir täglich fast zwei Stunden Fahrtzeit spare und so viel mehr Freizeit habe, die ich gerne für ausgedehnte Spaziergänge nutze. Das schätze ich sehr. Ich habe viele schöne, neue Wege entdeckt und meine Umgebung besser kennengelernt.

Da ich viel zu Hause bin, habe ich auch Nachbarn, die ich bisher nicht wahrgenommen hatte, kennengelernt. Ich fühle mich tiefer verwurzelt und verbundener mit meiner Umgebung.“

Nicole Haymann
Controlling

Kopf hoch! 7 Strategien für mentale Stärke

von Nicole Ehlert

Solange Corona die Welt im Griff hat, schlagen uns die Folgen aufs Gemüt. Es wird immer schwieriger, bei Laune zu bleiben, sich zu motivieren. Der Lockdown lähmt. Doch nicht jeden zieht die Krise völlig runter. „Wie stark einen Frust und Ratlosigkeit packen, ist zum großen Teil Kopfsache“, sagt Nicole Ehlert, Psychologischer Coach.

„Ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, hängt maßgeblich davon ab, worauf wir unseren Blick richten. Der Optimist sieht bei jeder Schwierigkeit Gelegenheiten, der Pessimist sieht Schwierigkeiten bei jeder Gelegenheit.“ Die gute Nachricht aus der Glücksforschung: Optimismus ist zu 40 Prozent von unserem Denken und Handeln abhängig – und damit von uns selbst beeinflussbar.
Wir können also dem Corona-Blues entgegensteuern, mit sieben Strategien:

1. Akzeptanz

Ja, die Pandemie ist eine schlimme Naturkatastrophe mit negativen Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche. Doch keiner kann Corona wegzaubern. Solange das Virus nicht ausgerottet ist, müssen wir damit leben, damit umgehen. Wir können also hadern, fluchen, verzweifeln – oder das Schicksal akzeptieren. Das Eine kostet Nerven und Energie, macht uns zum passiven Opfer. Das Andere lässt Raum für Besonnenheit – und Pläne. Die Gegenwart ist schwierig und eingeschränkt, aber es wird eine Zukunft ohne Corona geben. Und für diese Zeit können aktiv Pläne geschmiedet werden. Auf geht’s!

2. Vogelperspektive

Erinnern Sie sich mal an die eine oder andere Situation in Ihrem Leben, in der Sie dachten: „Was für eine Katastrophe!“ Und wie blickten Sie auf die Sache, nachdem Sie sie überstanden hatten? „War ja doch halb so wild.“ In der Rückschau werden Elefanten oft zu Mücken. Haben wir es nicht schon im vergangenen Sommer erlebt: Kaum war das Leben wieder halbwegs normal, waren Wut und Verzweiflung aus dem ersten Lockdown schnell vergessen. Denken Sie daran, wenn Ihnen zu Hause wieder die Decke auf den Kopf fällt, weil Cafés, Restaurants, Läden etc. zu sind. Oder Ihr Geburtstag verstreicht ohne Party? Dann halten Sie inne und fragen sich: Wie schlimm und folgenreich ist das wirklich, im Hinblick auf die Zukunft?
Vorausgesetzt, Sie kommen gesundheitlich und wirtschaftlich heil durch die Krise, wird sich – quasi aus der Vogelperspektive – auch die Schwere des Dauer-Lockdowns relativieren. Und Ihren nächsten Geburtstag feiern Sie einfach doppelt so groß!

3. Umtaufen

Wie wir Situationen bewerten, zeigt schon unsere Sprache. Machen Sie den Selbst-Check: Vom Arbeiten im Homeoffice bis zum geschlossenen Laden – wie oft bezeichnen Sie in diesen Tagen die Einschränkungen als „Problem“? Und was passiert, wenn Sie stattdessen von „Herausforderung“ sprechen? Oder – weil das Wort im Business-Kontext überstrapaziert wurde – von „Aufgabe“? Es wirkt nicht mehr so tragisch, richtig? Das liegt daran, dass wir in Herausforderungen oder Aufgaben eher das Erfolgspotenzial sehen. Wer sie gut meistert, wächst mit der positiven Erfahrung – und stärkt damit sein Selbstwertgefühl.

4. Vergleichs-Stopp

Wie kann die Nachbarin so gut gelaunt sein und selbst im Homeoffice noch tiptop aussehen? Warum muss die Freundin ihre Kinder nie zum Lernen animieren? Wie hat es der Bruder selbst in der Wirtschaftskrise geschafft, befördert zu werden? Im Vergleich mit anderen schneiden wir oft vermeintlich schlecht ab. Die Folge: Wir fühlen uns schwach und klein. Hören Sie auf, sich mit anderen zu messen! Natürlich gibt es viele Menschen, die (vordergründig) erfolgreicher sind als Sie, die sogar berühmt sind oder im Lotto gewinnen! Das darf Sie nicht davon abhalten, Ihren eigenen Wert zu sehen. Sie gehen Ihren eigenen Weg, mit Ihren individuellen Talenten, auf die Sie bauen können.

5. Medien-Detox

Informiert zu sein, ist gut. Doch manchen veranlasst die Angst vor der Pandemie dazu, stündlich das Geschehen zu verfolgen. Wo tobt das Virus am stärksten? Wie viele Infizierte gab es heute? Kollabiert das Gesundheitssystem? Unsere Energie folgt der Aufmerksamkeit. Und schlechte Nachrichten sind schlimme Energiefresser. Gönnen Sie sich deshalb Auszeiten. Reduzieren Sie Ihren Nachrichtenkonsum auf das Nötigste und verzichten Sie evtl. ganz auf TV-News. Denn Bild-Botschaften bewegen uns emotional stärker als das nur geschriebene oder gehörte Wort.

6. Dankbarkeits-Liste

Nicht zuletzt durch den Medienkonsum nehmen wir nur noch die Extreme wahr: Unglück oder Highlights. Der Normalität schenken wir kaum Beachtung und empfinden sie erst recht nicht als Gnade.  Doch ist ein Tag nur dann ein guter Tag, wenn er mit einem außergewöhnlichen Glücksfall gesegnet ist? Das Bewusstsein für die kleinen Geschenke des Alltags ist oft verschüttet. Graben Sie es wieder aus, es geht ganz einfach: Sie legen sich ein kleines Notizbuch auf den Nachttisch und lassen jeden Abend vor dem Einschlafen den Tag Revue passieren. Notieren Sie, welche Momente schön waren, was Ihnen gelungen ist, Sie zum Schmunzeln gebracht hat. Nichts ist zu banal, um einen Platz in Ihrem Dankbarkeits-Büchlein zu bekommen – ob der nette Dialog mit der Supermarkt-Kassiererin, das gelungene Mittagessen oder die lustige Anekdote Ihres Kindes. Sie werden staunen, wie sich innerhalb weniger Tage Ihre Wahrnehmung verändert und sich Ihre Aufmerksamkeit schon tagsüber auf die positiven Dinge richtet.

7. Mehr schreiben!

Notizen sind gut, aber das Aufschreiben birgt noch viel mehr Möglichkeiten: Das Niederschreiben von Gedanken und Gefühlen kann bei der Bewältigung von Krisen helfen. Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit. Regelmäßig Gedanken, Gefühle, Ängste, Hoffnungen zu Papier zu bringen, ist Selbstreflexion und -strukturierung pur. Dabei dient das Schreiben nicht nur der Verarbeitung von Problemen, sondern bringt uns auch Lösungen näher. Nutzen Sie also das Tagebuch als Therapeuten! Und wem leere Seiten zu wenig sind, der nutzt ein Bullet-Journal. Die Mischung aus Zeit- bzw. Aufgabenplaner und Notizbuch bietet neben der Kalenderfunktion Raum für Brainstorming, Zeichnungen, Listen, Ideensammlungen, Erinnerungen etc. Jeder gestaltet dieses Buch individuell. Voll im Trend und zeitgemäß wie nie.


Themen der BKK ProVita werden wichtiger

Mit vielen dieser Themen beschäftigt sich die BKK ProVita schon lange. „Für uns als ,Kasse fürs Leben‘ sind sie der Schlüssel zu einem gesunden Leben. Deshalb werden wir diese Themen weiterhin forcieren und unsere Versicherten unterstützen, den für sie richtigen Weg zu einem gesunden Leben zu finden“, sagt Michaela Ott.

Was wird unser Leben auch in Zukunft (nachhaltig) verbessern?

Durch Corona haben die Menschen erfahren, dass Strukturen aufgeweicht werden können und abrupte Veränderungen möglich sind. Es wurden Möglichkeiten entdeckt und genutzt, z. B. im Bereich der Digitalisierung, die auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Auch reifte die Erkenntnis, dass in Zukunft andere Prioritäten zu setzen sind. Nicht mehr maximale Gewinnerzielung darf das Ziel sein, sondern Nachhaltigkeit, Fairness und Gerechtigkeit.

Auftrieb für die Gemeinwohl-Ökonomie?

Orit Gadiesh und Jenny Davis-Peccoud vergleichen in ihrem Aufsatz „Why sustainability is the new digital“ die Notwendigkeit von Unternehmen, nachhaltig zu handeln mit der digitalen Revolution. Als Grund nennen die Experten die rapide wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen. Sie werten die Besinnung auf Nachhaltigkeit in der Gesellschaft als so drastisch ein, dass sie sich Sorgen machen, ob Unternehmen diese schnell genug umsetzen können.

Seit der Corona-Krise gewinnen Wirtschaftsmodelle Beachtung, die den Erfolg nicht im Wirtschaftswachstum sehen, sondern in denen sich das Handeln an den Werten Menschenwürde, Solidarität, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit orientieren soll. Ein solches Wirtschaftsmodell ist die Gemeinwohl-Ökonomie, die der Österreicher Christian Felber entwickelt hat. Die BKK ProVita ist bereits seit 2015 Teil der Gemeinwohlökonomie.

Es gibt schon viele Ansätze und Überlegungen für eine „bessere Welt“. Die große Herausforderung wird es sein, dass die durch die Corona-Pandemie eingeleiteten Veränderungen auch in Zukunft – nach Corona – Bestand haben. Fest steht: Es lohnt sich, auch wenn es schwierig ist. Doch die Frage bleibt: Kann es gelingen?

Lese-Empfehlungen:

Corona Sustainability Compass (CSC-Blog)  

Der CSC-Blog [13] wird herausgegeben vom Umweltbundesamt (UBA), dem Forschungsnetzwerk Future Earth, dem International Science Council (ISC, Internationaler Wissenschaftsrat) und der Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz. Unter dem Dach des CSC-Blogs stellen die Autor:innen, darunter führende Wissenschaftler:innen, Entscheidungsträger:innen aus der Wirtschaft und Politiker:innen ihre Visionen und Bilder von einer nachhaltigeren Zukunft vor – neue, zukunftsorientierte Strategien, die vielleicht gestern noch unvorstellbar waren, durch die Corona-Krise nun aber möglich werden könnten.

Die Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber

Die Gemeinwohl-Ökonomie, Christian Felbers alternatives Wirtschaftsmodell, beruht – wie eine Marktwirtschaft – auf privaten Unternehmen und individueller Initiative. Doch die Betriebe streben nicht in Konkurrenz zueinander nach Finanzgewinn, sondern sie kooperieren mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls. Das Manifest dieser demokratischen Bewegung, die bereits wenige Jahre nach der Gründung von mehr als 1700 Unternehmen, über 200 Organisationen und zahllosen Privatpersonen unterstützt wird, schafft es 11 Jahre nach der Erstveröffentlichung auf der SPIEGEL-Bestsellerliste auf Platz 14 in der Kategorie Sachbuch Taschenbuch.


Quellen + Fußnoten:

  1. Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel zu Maßnahmen der Bundesregierung im Zusammenhang mit dem Coronavirus am 16.03.2020
  2. Pressemitteilung der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung e.V. vom 12.02.2021
  3. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210127_OTS0119/psychische-gesundheit-verschlechtert-sich-weiter?fbclid=IwAR3vnXqAlIRzn3Ljg4_QWd8vAkdJo88_uDsqFPK6-z08w3Py947p3qBgbK0 
  4. https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_96962.html
  5. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117486/Corona-beguenstigt-Gewichtszunahme-sozial-schwacher-Kinder
  6. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/02/PD21_048_464.html
  7. https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/luftqualitaet-2020-nur-noch-wenige-staedte-ueber abgerufen am 18.02.2021
  8. https://www.spendenrat.de/2021/02/16/bilanz-des-helfens-2021/ abgerufen am 18.02.2021
  9. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1197948/umfrage/veraenderung-des-lebensmittelkonsums-nach-bereichen-seit-der-corona-krise/#statisticContainer, abgerufen am 19.02.2021
  10. https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/der-zamperl-boom-warum-sich-so-viele-muenchner-hunde-zulegen-art-699963, abgerufen am 23.02.2021
  11. https://www.dw.com/de/corona-die-deutschen-kommen-auf-den-hund/a-56306446
  12. https://www.weforum.org/agenda/2021/01/davos-agenda-sustainability-digital-revolution/, abgerufen am 19.02.2021
  13. https://www.csc-blog.org/de