Epigenetik: Krebshemmende Substanz in Knoblauch

Teil 10 unserer Serie zur Epigenetik | Wie Knoblauch für Krebsmedikamente eingesetzt werden könnte

Laut neuesten Studien könnte eine Substanz im Knoblauch bei Eierstockkrebs helfen. Der Epigenetik-Experte und Bestseller-Autor Dr. Peter Spork stellt im 10. Teil der Epigenetik-Reihe die Studienergebnisse vor.

Von Peter Spork

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) gehört zu den aggressiven Tumorerkrankungen und ist mit einem Anteil von etwa einem Drittel die zweithäufigste bösartige Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Leider wird diese Art von Tumor meist sehr spät entdeckt, da lange Zeit keine oder nur geringe Symptome auftreten. Dadurch verschlechtern sich die Heilungschancen. Etwa eine von 75 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs.

Wirkmechanismus von Knoblauch in Zellkulturen

Hin und wieder wird behauptet, Knoblauch könne ein wenig vor Eierstockkrebs schützen. Diese These ist zwar wissenschaftlich nicht belegt, aber eine Substanz in der Pflanze gerät zunehmend in den Blickpunkt. Sie heißt S-Allylcystein und soll Eierstockkrebs-Zellen bekämpfen können. Zumindest in Zellkulturen hat sich das jetzt bestätigt.

Dieser Umstand bedeutet zwar noch nicht viel, aber spannend ist der analysierte Wirkmechanismus: Die Knoblauch-Substanz hemmt offenbar das epigenetische Enzym DNMT1 und sorgt so dafür, dass per DNA-Methylierung* stumm geschaltete Gene wieder aktivierbar werden. Darunter scheint auch das Krebs unterdrückende Gen CDKN1 zu sein. Da es wieder aktiv wird, bremst sich die Teilungsaktivität der Krebszellen. Die Forscher hoffen nun, zukünftige Krebsmedikamente könnten am gleichen Mechanismus ansetzen.

Zielgenauere Medikamente

Mediziner werden Knoblauch also vermutlich niemals direkt gegen Krebs verschreiben. Aber die Pflanze könnte indirekt helfen, ein neues Medikament zu finden. Viele der zurzeit von Firmen überall auf der Welt entwickelten epigenetischen Antikrebs-Medikamente wirken schon heute sehr viel zielgenauer als die epigenetischen Mittel der ersten Generation. So blockieren sie zum Beispiel nur noch wenige spezielle Enzyme und tragen zur Aktivierung oder Stummschaltung von nur wenigen Genen bei. Dadurch sinkt das Risiko von Nebenwirkungen.

* Chemische Änderung an Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle, ohne den DNA-Code zu verändern.


Quellen:

Yasi Xu et al.: S-allylcysteine suppresses ovarian cancer cell proliferation by DNA methylation through DNMT1. Journal of Ovarian Research 11. 14.05.2018, doi: 10.1186/s13048-018-0412-1.

www.krebsgesellschaft.de: Eierstockkrebs: Basis-Infos für Patienten und Angehörige

Dieser Beitrag ist zuerst im Newsletter Epigenetik erschienen und wurde als 10. Teil der Epigenetik-Serie für unseren Blog in einer autorisierten, leicht gekürzten Version übernommen.


Epigenetik - Warum Gesundheit kein Zufall ist

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„Gesundheit ist kein Zufall“ heißt der Vortrag, den er 2019 für die Belegschaft der BKK ProVita hielt und den wir aufzeichnen durften.

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Dr. rer. nat. Peter Spork

Dr. rer. nat. Peter Spork ist seit 30 Jahren freier Wissenschaftsautor. Im Spiegel-Bestseller „Gesundheit ist kein Zufall“ entwickelt er einen neuen Gesundheitsbegriff als generationenüberschreitenden Prozess. 2009 veröffentlichte er das erste allgemeinverständliche Buch über Epigenetik Der zweite Code. Seit 2010 gibt er den Newsletter Epigenetik heraus. (Autorenfoto: Thomas Duffé)