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Das Wunder der Wertschätzung

Warum Anerkennung so wichtig für uns ist und wie wir anderen Selbstwert schenken

Wertschätzung ist ein Grundbedürfnis unserer Seele. Denn wer sich wertgeschätzt fühlt, gewinnt an Selbstwert. Durch Lob, Anerkennung und einem respektvollen Umgang auf Augenhöhe wird unser Alltag gleich ein Stück heller, bei der Arbeit wie im Umgang mit wichtigen Menschen, während Geringschätzung nur zu Unzufriedenheit führt. Und das Beste ist: Das gute Gefühl kann wachsen! Ein Bericht mit vielen Tipps.

Von Antoinette Schmelter-Kaiser

Frisch geernteter Salat aus dem Garten der Nachbarn als Überraschung vor der Wohnungstür. Das Angebot der Großeltern, nach einer anstrengenden Woche die Enkelkinder zu übernehmen und den erschöpften Eltern eine Auszeit zu spendieren. Post von der besten Freundin, die neben Champagnerpralinen eine Karte mit folgenden Zeilen schickt: „Danke für deinen langen Besuch. Unsere gemeinsame Zeit hat mir sehr gutgetan. Ich freue mich immer, dich zu sehen, du bist einfach eine tolle Frau!“ Das alles sind Zeichen von Wertschätzung, die Wohlwollen, Anerkennung und Respekt füreinander ausdrücken.


Michaela Ott, Referentin für Wissenschaft bei der BKK ProVita

Respekt und Wohlwollen stoppen sogar Angst

„Jeder Mensch braucht Wertschätzung“, erklärt Michaela Ott, Referentin für Wissenschaft bei der BKK ProVita. „Dabei geht es um das Schätzen einer Person und ihrer Eigenschaften als Ganzes.“ Wird dieses elementare Grundbedürfnis erfüllt, kann das Wunder wirken: Das Belohnungszentrum im Gehirn wird aktiviert, das Angstzentrum gehemmt. Wertschätzung ist deshalb laut Michaela Ott „ein guter Puffer gegen Belastungen“.


Geringschätzung führt zu Frustration

Ein Mangel daran führe hingegen zu Enttäuschung, Frustration, Aggression und innerlichem Stress, der bei längerer Dauer Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit bis hin zu psychosomatischen Leiden oder gar Burn-out hat.

Kinder brauchen viel Wertschätzung – und geben sie auch!

Wertschätzung ist von Geburt an ein zentrales Thema. Für Kinder bedeutet sie die Basis, um sichere Bindungen aufzubauen, sich zugehörig zu fühlen und Selbstwertgefühl zu entwickeln. Nichts gibt Babys mehr Bestätigung und Sicherheit als die Mutter oder der Vater, die von ihrer duftenden Haut oder ihrem Lächeln nicht genug bekommen können und sich ihnen intensiv widmen.

„Wertschätzung hat jeder Mensch per se verdient. “

Therapeut, Coach und Religionspädagoge Andreas Herrmann

Wertschätzung ist mehr als ein Lob

Beim Lernen – dem Einüben von Fähigkeiten und Verhaltensweisen – dienen Rückmeldungen und der Abgleich mit anderen als „soziales Feedback-System“, erklärt der Therapeut, Coach und Religionspädagoge Andreas Herrmann. „Kinder haben ein hohes Bedürfnis nach Wertschätzung, können sie aber auch geben“, resümiert er. „In meinem Unterricht möchte ich ihnen vermitteln, dass Wertschätzung anders als Lob nicht vom Handeln eines Menschen abhängen sollte, sondern dass jede:r sie per se verdient hat.“

Umgangsformen in der Partnerschaft

Auch in Herrmanns Arbeit mit Paaren spielt Wertschätzung eine wichtige Rolle: „Nach dem biologischen Abflachen der Hormone funktioniert sie im Alltag nicht automatisch, sondern muss gepflegt werden“, macht er klar. Am Anfang ist das Zusammensein neuer Partner meist so erfüllend, dass sie sich gegenseitig viel Aufmerksamkeit sowie Bestätigung schenken und sich entsprechend beflügelt fühlen; gemeinsame Mahlzeiten werden zelebriert und innige Botschaften ausgetauscht, sobald beide getrennt sind.

Wohlwollen statt Abwertung

Dass all das mit der Zeit weniger wird, ist normal. Doch verabschiedet sich die gegenseitige Wertschätzung ganz, nehmen Zuwendung und Respekt ab, ist das ein „apokalyptischer Reiter, der Partnerschaften gefährdet“, so Andreas Herrmann. „Tödlich“ für Beziehungen findet der Experte den nächsten Schritt: permanente Fehlersuche. Um Kritik aushalten zu können, braucht es als Wiedergutmachung ein Vielfaches an positiven Botschaften. Weil Wertschätzung aber nicht für jeden das Gleiche bedeutet, empfiehlt der Experte, sich ehrlich auszutauschen und die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren.

„Mit Anerkennung können selbst Krisen zur Chance werden.“

Mitarbeitermotivation und Anerkennung im Beruf

In einem weiteren Lebensbereich trägt Wertschätzung ebenfalls Früchte: Im Arbeitsumfeld ist sie ein echter Produktivitäts- und Motivationsfaktor. Und zwar von Seiten der Führungskräfte ebenso wie innerhalb eines Teams. Nimmt niemand Notiz davon, wie sehr ein Kollege als Urlaubsvertretung mit einem komplizierten Fall kämpft, fällt ihm die Aufgabe doppelt schwer.

Doch wenn sein Bemühen gesehen wird und er dafür ein solches Feedback vom Chef bekommt: „Toll, wie Sie sich einsetzen. Das ist wirklich herausfordernd. Kommen Sie ohne Hilfe klar?“, dann kann das Kräfte mobilisieren. Mit solcher Anerkennung können selbst Krisen zur Chance werden.

Wie Wertschätzung von Mitmenschen stärkt

Manchmal ist der Beruf sogar ein Wegbereiter für wirkliche Wertschätzung, so im Fall von Regina Wahl. „Für meine Eltern waren gute Schulleistungen selbstverständlich, Anerkennung gab es dafür nie“, bedauert sie. „Als Krankenschwester habe ich dann die Dankbarkeit vor allem älterer Patienten erlebt, was mich aufgebaut und zufrieden gemacht hat.“

Ihrer Tochter und ihrem Sohn gibt sie heute so viele positive Rückmeldungen wie möglich, um sie frühzeitig zu stärken. Freundschaften pflegt Regina Wahl mit regelmäßigen Anrufen oder anderen Aufmerksamkeiten wie liebevollen Geschenken, die sie genau auf die Vorlieben der Empfänger abstimmt.

Eine wertschätzende Grundhaltung ist lernbar

„Wertschätzen kann man lernen oder verbessern“, bestätigt Psychologin Michaela Ott. „Eine wichtige Voraussetzung dafür ist Einfühlungsvermögen.“ Dieses entwickelt sich bei Kindern ab circa eineinhalb Jahren, wenn sie zwischen sich selbst und einer anderen Person unterscheiden können. Eltern sind für sie wichtige Empathie-Vorbilder. Gehen sie liebevoll und wertschätzend mit ihrem Kind um, lernt es dieses Verhalten auf natürliche Weise. Trainieren lässt es sich aber auch noch später.

Freundinnen freuen sich gemeinsam über einen Erfolg

Tipps: So funktioniert Wertschätzung

Höflichkeit und Umgangsformen

sind nicht nur starre Sozialkultur, ein DANKE signalisiert vor allem: „Ich nehme wahr, dass du etwas für mich getan oder an mich gedacht hast.“ Diese Rückmeldung kommt auch den Sender:innen zugute, denn Dankbarkeit lenkt den Blick auf das Positive und hebt erwiesenermaßen das Glückslevel.

Aufmerksamkeit und Zuwendung auf Augenhöhe

Respektvoll und achtsam sein bedeutet, den anderen ausreden zu lassen, bei Unklarheiten nachzufragen, die eigene Meinung oder Ideen zurückzustellen. Außer offenen Ohren hilft dabei Blickkontakt, um Signale wahrzunehmen. 80 Prozent der Kommunikation laufen nonverbal über Gestik, Mimik, Körpersprache.

Das Bedürfnis nach Wertschätzung

ist unterschiedlich und kann je nach Situation variieren. Daher funktioniert sie nicht nach Schema F, sondern sollte maßgeschneidert sein. Besonders aufbauend ist respektvolle Aufmerksamkeit rund um wichtige Termine wie Prüfungen und besondere Tage oder bei Krankheit.

Eine wertschätzende Grundhaltung

und das daraus resultierende Verhalten kann sich nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Dinge beziehen, z. B. indem Ressourcenverschwendung vermieden wird. Deshalb lieber nur das anschaffen, was wirklich nötig ist, achtsam mit allem umgehen und kaputte Dinge reparieren (lassen), statt sie zu entsorgen.

Anerkennung oder Abwertung?

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ – nach diesem Motto funktioniert auch Wertschätzung. Wer hilfsbereit und aufmerksam mit seinen Freund:innen umgeht, kann erwarten, auch selbst gesehen und gehört zu werden. Auf diese Weise entsteht eine Art positiver Aufwärtsspirale.


Dieser Beitrag erschien zuerst im „Magazin fürs Leben“ (Ausgabe 1/2021). Unsere Mitgliederzeitschrift bietet viermal im Jahr viele spannende Themen.

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Über Antoinette Schmelter

Antoinette Schmelter-Kaiser ist Journalistin, fährt wann immer möglich mit dem Rad und wandert in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne in den Bergen. Zuhause bezieht sie Ökostrom und nutzt energiesparende LED-Lampen.