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Was ist eigentlich Ökostrom?

… und was bringt der „grüne Strom“ unserer Natur und Gesundheit?

Von Antoinette Schmelter

Saubere Luft, weniger Lärm – die Verheißungen durch den Ausbau der Ökostrom-Erzeugung, durch Naturstrom und die neue E-Mobilität sind groß. Warum eigentlich? Welches sind die Kriterien und was bringen sie Klima und Körper? Ein Bericht über Öko-Energie, geplante Ökologisierung und die gesündeste Energie von allen.

Kohlendioxid, Stickstoff, Schwefeloxid, Rußpartikel, Benzol – das alles sind toxische Stoffe, mit denen der motorisierte Straßenverkehr Luft und Gesundheit belastet. Die Emissionen können die Atemwege reizen, sich in der Lunge ablagern und das Blutbild verändern. Kleine Kinder in Buggys oder Fahrradanhängern auf Auspuffhöhe bekommen besonders viel von ihnen ab.

Mehr Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb bis 2030 geplant

Sie könnten weniger gefährdet sein – wenn mehr Fahrzeuge mit Elektroantrieb unterwegs wären, denn diese stoßen weder umwelt- noch gesundheitsschädliche Abgase aus. Außerdem sind sie leise und verringern so den Straßenverkehrslärm, der laut Umweltbundesamt mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung stört oder belästigt.

Bis 2030 strebt die Bundesregierung daher eine signifikante Absenkung der Emissionen von Pkws an, so ihr Klimaschutzplan 2050, der vorsieht: „Die Elektrifizierung der Neuwagenflotte wird dabei einen maßgeblichen Beitrag leisten und sollte Priorität haben.“

„Wirklich“ grüner Strom kommt aus erneuerbaren Energiequellen

Konsequent und wirkungsvoll ist dieser Schritt aber nur, wenn mehr als das Verkehrssystem dekarbonisiert wird. Unabhängige Ökoenergie-Versorger bieten deshalb neben klassischen Ökostrom- und Ökogas-Tarifen auch Ladelösungen für Privatkunden und Firmenflotten an.

Wirklich grüner Ökostrom kommt aus Laufwasserkraftwerken oder Photovoltaik-Anlagen auf Gebäudedächern, er kann aus Windkraft, Biomasse oder Erdwärme stammen. Diese Quellen sind umwelt- und gesundheitsfreundlicher, weil bei ihrer Erzeugung nicht wie bei der Verbrennung von Kohle CO2 freigesetzt wird, was den Klimawandel mit weitreichenden Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit beschleunigt. Atomenergie ist bei Ökostrom ohnehin tabu, weil ihre radioaktive Strahlung Krebs verursachen und das Erbgut schädigen kann.

Laut einer aktuellen Studie von „Transport and Environment“, der Dachorganisation von nichtstaatlichen europäischen Organisationen aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich in 23 Ländern, verursacht ein Elektroauto über seine gesamte Lebensdauer betrachtet 56 Prozent weniger CO2 als ein Verbrenner.

Potsdamer Institut plädiert für Sonnen- und Windenergie

Die meisten Vorteile für Mensch und Umwelt würde laut einer Ende 2019 veröffentlichten Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung eine Energiewende hin zu Sonne und Wind bringen. Mit Computersimulationen hat es für die drei wichtigsten Wege zur Dekarbonisierung die Lebenszyklus-Analysen einer Anlage vom Bau bis zum Betrieb berücksichtigt. Insgesamt benötigt den Ergebnissen zufolge der Übergang von einer fossilen Rohstoffbasis zu einer erneuerbaren Energiewirtschaft zwar mehr Land und mineralische Ressourcen. Trotzdem könnte das Umsteuern „die negativen Auswirkungen der Stromerzeugung auf die Gesundheit um bis zu 80 Prozent reduzieren“, macht die Studie Hoffnung. „Dies ist vor allem auf eine Verringerung der Luftverschmutzung durch das Verbrennen von Kohle und Öl zurückzuführen. Zudem sind die Lieferketten für erneuerbare Energien viel sauberer als der Abbau von Kohle und das Bohren nach Öl.“ Pro Kilowattstunde Strom aus fossilen Brennstoffen brauche man hundertmal mehr Land als für die gleiche Menge Energie aus Solarmodulen.

Ökostrom

Aus der Steckdose kommt eigentlich Mixstrom

Ökostrom bedeutet also nicht gleich Ökostrom. Und Kunden bekommen mit einem entsprechenden Vertrag auch keine reine regenerative Energie, die direkt von einem Wasserkraftwerk, einer Windkraftanlage oder einem Photovoltaik-Park in ihre Haushalte geleitet wird. Da für grünen Strom keine eigenen Leitungen existieren, muss er im allgemeinen Stromnetz fließen. Von Computer bis Herd läuft jedes Gerät mit Mixstrom aus Quellen querbeet. Allerdings ist garantiert, dass die entnommene Menge wieder aus regenerativen Energien eingespeist wird.

Auf Gütesiegel achten!

Gütesiegel wie das Label „Grüner Strom“ oder „Ok-Power“ stellen überdies sicher, dass Investitionen in zusätzliche neue Anlagen, innovative Projekte wie Stromspeicher oder intelligente Netze nach höchsten Umweltstandards erfolgen. Letztere spielen bei der Energiewende eine entscheidende Rolle. Laut statista lag der Durchschnittswert des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung für das Jahr 2020 bei 52,8 Prozent. Bis 2050 soll der Anteil am Bruttostromverbrauch auf mindestens 80 Prozent steigen, so das Erneuerbare-Energien-Gesetz der Bundesregierung.

Doch Energie aus Sonne, Wind und Wasser ist zwar unbegrenzt, aber nicht immer und überall vorhanden. Um Schwankungen auszugleichen, muss Ökostrom zwischengespeichert und kontrolliert eingespeist werden können. Die Herstellung der dazu notwendigen Technologien kann die Umweltbilanz wieder negativ beeinflussen, wie das Beispiel der – immerhin zunehmend umweltfreundlicheren  – Batterien von E-Autos zeigt. Gesundheitsfolgen für Menschen durch Infraschall von Windkraftanlagen werden noch erforscht.

Fazit: Muskelkraft liefert die gesündeste Energie

Ökostrom gehört trotzdem zu einem nachhaltigen Lebensstil; Energie- und Stromsparen aber auch. Gerade in Sachen Mobilität müssen wir deshalb prüfen, was wir wirklich brauchen.

E-Autos, E-Scooter und E-Bikes machen keinen Sinn, wenn wir nur zu bequem sind, 500 Meter zu gehen. Besser für Klima, Kondition und Kreislauf ist es, sich mit eigener Kraft zu bewegen: also zu laufen oder in die Pedale zu treten. E-Bikes und E-Scooter verleiten außerdem dazu, schneller zu fahren, als das Reaktionsvermögen es zulässt. Auch die Unfallgefahr stieg in den letzten Jahren nachweislich.


Dieser Beitrag erschien zuerst im „Magazin fürs Leben“ (Ausgabe 4/2020). Unsere Mitgliederzeitschrift bietet dir viermal im Jahr viele spannende Themen.

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Über Antoinette Schmelter

Antoinette Schmelter-Kaiser ist Journalistin, fährt wann immer möglich mit dem Rad und wandert in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne in den Bergen. Zuhause bezieht sie Ökostrom und nutzt energiesparende LED-Lampen.