Leisure Sickness: Warum wir ausgerechnet im Urlaub oder am Wochenende krank werden

Endlich Urlaub – und plötzlich krank? Viele Menschen kennen dieses frustrierende Gefühl: Wochenlang funktioniert alles reibungslos, Termine werden eingehalten, Projekte abgeschlossen und der Alltag gemeistert. Doch kaum beginnt das Wochenende oder der langersehnte Urlaub, meldet sich der Körper mit Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder einer Erkältung.

Zufall? Nicht unbedingt. Hinter diesem Phänomen könnte die sogenannte Leisure Sickness, auf Deutsch etwa Freizeitkrankheit, stecken. Sie beschreibt Beschwerden, die häufig genau dann auftreten, wenn die Anspannung nachlässt und der Körper endlich zur Ruhe kommt.

Was ist Leisure Sickness?

Leisure Sickness ist kein offiziell anerkanntes Krankheitsbild, sondern ein wissenschaftlich beschriebenes Phänomen. Der Begriff wurde Anfang der 2000er-Jahre von niederländischen Forschenden geprägt, nachdem sie beobachtet hatten, dass manche Menschen regelmäßig während ihrer Freizeit oder im Urlaub erkranken.

Die Beschwerden reichen von leichten Erkältungssymptomen bis hin zu Migräne oder starker Erschöpfung. Die eigentliche Ursache liegt dabei meist nicht in der Freizeit selbst, sondern in der Belastung, die ihr vorausgeht.

Welche Symptome treten bei Leisure Sickness auf?

  • Erkältung oder grippale Infekte
  • Halsschmerzen
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Muskelschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Allgemeines Krankheitsgefühl

Wer ist besonders betroffen?

Vor allem Menschen, die dauerhaft unter hoher Anspannung stehen, berichten über dieses Phänomen:

  • Führungskräfte
  • Selbstständige und Unternehmer
  • Menschen mit hoher Arbeitsbelastung
  • Pflegekräfte und Beschäftigte im Gesundheitswesen
  • Lehrkräfte
  • Eltern mit hoher Mehrfachbelastung
  • Menschen mit ausgeprägtem Perfektionismus oder hohem Verantwortungsgefühl

Warum wird man gerade in der Freizeit krank?

Stresshormone halten den Körper im Leistungsmodus

Unter Stress schüttet der Körper vermehrt Hormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Diese sorgen dafür, dass wir leistungsfähig bleiben, schnell reagieren können und kurzfristig weniger anfällig für Entzündungsreaktionen erscheinen.

Dieser Zustand ist für akute Belastungen sinnvoll – wird er jedoch über Wochen oder Monate aufrechterhalten, gerät der Organismus aus dem Gleichgewicht.

Der Übergang von Anspannung zu Erholung

Sobald der Stresspegel sinkt, verändert sich die Aktivität des Immunsystems. Manche Forschende vermuten, dass der Körper nun beginnende Infektionen oder Entzündungsprozesse „zulässt“, die während der Stressphase unterdrückt wurden.

Der Effekt kann sich anfühlen, als würde man genau im falschen Moment krank werden – tatsächlich holt sich der Körper möglicherweise einfach die Erholung, die ihm zuvor gefehlt hat.

Auch die Psyche spielt eine Rolle

Neben biologischen Veränderungen beeinflusst auch unser Nervensystem die Gesundheit. Wer dauerhaft unter Strom steht, nimmt Erschöpfung oft erst wahr, wenn äußere Anforderungen wegfallen. Erst dann wird spürbar, wie viel Energie der Alltag tatsächlich gekostet hat.

Was sagt die Forschung?

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich mit Leisure Sickness. Die ersten größeren Studien stammen aus den Niederlanden und zeigten, dass ein Teil der Befragten regelmäßig während freier Tage oder im Urlaub Beschwerden entwickelt.

Als mögliche Einflussfaktoren wurden unter anderem identifiziert:

  • hohe Arbeitsbelastung
  • Schwierigkeiten beim Abschalten
  • Perfektionismus
  • ein dauerhaft erhöhtes Stressniveau

 

Gleichzeitig betonen Forschende, dass Leisure Sickness bislang nicht vollständig verstanden ist. Vermutlich wirken verschiedene biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammen. Das Phänomen gilt daher eher als ein Zusammenspiel mehrerer Prozesse als als eigenständige Erkrankung.

Mann und Frau liegen entspannt auf einer Picknickdecke

Wie lässt sich Leisure Sickness vorbeugen?

Regeneration sollte regelmäßig stattfinden – nicht erst nach Monaten hoher Belastung. Schon kleine Pausen während des Tages oder bewusste freie Abende können helfen.

Wer am letzten Arbeitstag bis spät in die Nacht arbeitet und am nächsten Morgen die Reise antritt, verlangt seinem Körper einen abrupten Wechsel ab. Plane möglichst einen entspannten Übergang ein.

Schlaf ist eine der wichtigsten Grundlagen für ein gesundes Immunsystem. Versuche, besonders vor Urlaubsbeginn auf ausreichend Schlaf zu achten. Wie gesunder Schlaf gelingen kann, erfährst du hier.

Regelmäßige Bewegung unterstützt nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern hilft auch beim Abbau von Stresshormonen.

Techniken wie Meditation, Atemübungen, Progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, das Nervensystem häufiger in einen Erholungszustand zu bringen. Es gibt zahlreiche zertifizierte Kurse, die du besuchen kannst. Die BKK ProVita übernimmt für Ihre Versicherten 80 % der Kosten (bis zu 264 € im Jahr).

Auch Freizeit kann Stress erzeugen. Plane bewusst freie Zeiten ein und verzichte auf einen lückenlosen Terminplan.

Checkliste: 5 Anzeichen, dass dein Körper dauerhaft unter Stress steht

Vielleicht zeigt dir dein Körper schon länger, dass er mehr Erholung braucht. Folgende Anzeichen können darauf hindeuten:

Je mehr Aussagen auf dich zutreffen, desto wichtiger könnte es sein, deine Erholungsphasen bewusst in den Alltag zu integrieren und auf Warnsignale deines Körpers zu achten.

Klembrett Herz Icon - Klembrett Piktogramm

Wann solltest du ärztlichen Rat suchen?

Leisure Sickness kann viele Beschwerden erklären, ersetzt aber keine medizinische Diagnose.

Lass wiederkehrende oder starke Beschwerden ärztlich abklären, insbesondere wenn:

  • Fieber länger anhält,
  • starke Schmerzen auftreten,
  • die Erschöpfung über Wochen besteht,
  • Beschwerden immer wiederkehren oder
  • du unsicher bist, ob eine andere Erkrankung dahintersteckt.

Fazit

Leisure Sickness macht deutlich, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sind. Wer dauerhaft unter hoher Anspannung steht, bemerkt die eigene Erschöpfung häufig erst dann, wenn der Stress nachlässt. Die Beschwerden entstehen also nicht, weil Erholung schadet – sondern weil der Organismus endlich Gelegenheit bekommt, auf die vorausgegangene Belastung zu reagieren.

Die gute Nachricht: Wer regelmäßig Pausen einplant, Stress frühzeitig abbaut und Erholung als festen Bestandteil des Alltags versteht, kann seinem Körper helfen, den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung sanfter zu gestalten. So steigt die Chance, dass der nächste Urlaub tatsächlich das wird, was er sein soll: eine Zeit zum Auftanken.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Nein. Leisure Sickness ist derzeit keine offiziell anerkannte medizinische Diagnose. Der Begriff beschreibt jedoch ein wissenschaftlich untersuchtes Phänomen, bei dem Menschen bevorzugt während ihrer Freizeit oder im Urlaub Beschwerden entwickeln.

Eine mögliche Erklärung ist, dass dein Körper während stressiger Phasen im „Funktionsmodus“ arbeitet. Sobald die Belastung nachlässt, verändert sich die Aktivität des Immunsystems und Erschöpfung oder Infekte werden spürbar.

Eine Garantie gibt es nicht. Regelmäßige Erholung, ausreichend Schlaf, Bewegung und ein bewusster Umgang mit Stress können jedoch dazu beitragen, das Risiko zu verringern.

Nicht direkt. Beide Phänomene stehen zwar mit chronischem Stress in Verbindung, unterscheiden sich jedoch deutlich. Burnout ist ein komplexes Syndrom mit emotionaler Erschöpfung und Leistungsabfall über einen längeren Zeitraum. Leisure Sickness beschreibt dagegen Beschwerden, die typischerweise nach dem Ende einer Belastungsphase auftreten.

Ja. Viele Menschen schlafen in den ersten Urlaubstagen deutlich mehr als gewöhnlich. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass der Körper versäumte Erholung nachholt. Hält die starke Müdigkeit jedoch länger an oder treten weitere Beschwerden hinzu, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.

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Dieser Artikel wurde vom Redaktions-Team der BKK ProVita für Sie geschrieben – mit persönlichen Tipps unserer Expert:innen für Familien, Azubis und Studierende.

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