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Die Torhüter Timo Hildebrand und Andreas Luthe verraten, wie sie ihr Abwehrsystem und ihre Immunzellen fit halten

Von Karen Cop

Gesund bleiben – das wollen wir alle. Zum Glück können wir mit einigen Mitteln unsere Abwehrkräfte gegen Krankheitserreger stärken. Die Torhüter Timo Hildebrand und Andreas Luthe berichten, wie sie sich in letzter Zeit fit gehalten haben. Und auch wir haben einige Hausmittel gefunden, die die Immunzellen auf Trab bringen.

Diese Stille draußen, das Warten zu Hause. Der Himmel ganz blau, keine Kondensstreifen, keine Flugzeuge mehr. Kein Autolärm. Zu Hause zusammen. Oder allein. Das wird wohl allen in Erinnerung bleiben von diesem Jahr – es war, wie plötzlich unter Wasser tauchen im vollen Schwimmbad, vor allem in der Stadt. Ein Freund schrieb: „Habt ihr auch das Zeitgefühl verloren? Welcher Tag ist heute?“ – „Montwoch“.

Bewegung und Entschleunigung für mehr Abwehrkräfte

Wer weniger arbeiten musste, hatte mehr Zeit als sonst. Viele konnten sich ihre Zeit im Homeoffice selbst einteilen. Ausschlafen, anziehen, als wäre es immer Sonntag. Andreas Luthe, Torwart beim Bundesligisten 1. FC Union Berlin, kam die Zeit ohne Bundesligaspiele an wechselnden Orten im öffentlichen Licht nicht ungelegen: „Für uns waren die Ausgangsbeschränkungen annehmbar, denn wir sind in unser Häuschen umgezogen und haben es renoviert.“ Seine Freundin musste in Kurzarbeit, er durfte den Auflagen des deutschen Fußballbundes entsprechend drei Wochen lang nicht einmal einkaufen gehen.

Der Fußballprofi versuchte, weiterhin den Trainingsplan einzuhalten, und machte Krafttraining in seinem Fitnessraum. „Joggen konnte ich zunächst nur eingeschränkt, dann bin ich wieder morgens raus zum Laufen, alleine in die Natur.“ Anschließend versuchte er, „im Garten eine Auszeit zu finden“, und entspannte sich „bei der Gartenarbeit“.

Auch Timo Hildebrand, früher für VFB Stuttgart, Eintracht Frankfurt und für die deutsche Nationalmannschaft aktiv, hat die Entschleunigung genossen und Online-Yoga für sich entdeckt. „Yoga ist eine wunderbare Methode, gesund und fit bis ins hohe Alter zu bleiben.“ Inzwischen bietet „dank Corona“ fast jedes Yoga-Studio Online-Seminare an.

Timo Hildebrand:

„Yoga ist eine wunderbare Methode, gesund und fit bis ins hohe Alter zu bleiben.“

Gesunder Genuss statt Infekte

Unnötige Kilos legten die beiden Sportler mit ihrem Bewegungsprogramm natürlich nicht zu. „Ich muss eher aufpassen, dass ich genug esse. Als Profisportler habe ich einen hohen Verbrennungsfaktor“, meint Andreas Luthe. Anders als all jene, die es sich häufiger als sonst mit Knabbereien auf dem Sofa gemütlich gemacht haben. Bereits im April ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass sich 38 Prozent der Erwachsenen in Deutschland weniger bewegten als sonst. Der Süßwarenhandel verzeichnete ein zweistelliges Umsatzplus. 19 Prozent der Menschen hatten bereits bis zum 24. April deutlich an Gewicht zugelegt.

Zudem war mehr Zeit, das Essen selber zuzubereiten und ausführlich zu genießen. Rezeptbücher und Rezepte im Internet hatten und haben Hochkonjunktur. Viele Menschen lassen weiterhin lieber den herrlichen Duft von frisch im Ofen backendem Brot durch die Räume streifen, statt mit Abstand und Mundschutz in einer langen Schlange vor dem Bäcker zu stehen. Ein Genuss-Plus, das mit den richtigen Zutaten positiv für die Gesundheit sein kann! In Vollkorngetreide steckt das Spurenelement Zink, das alle Zellen brauchen, etwa bei der Bildung von Schutzmembranen, die der Immunabwehr mit ihrer Barrierefunktion helfen.

Hausmittel fürs Immunsystem

Meditation statt Stress

Wenn wir meditieren, sinkt der Stresspegel. Das Herz-Kreislauf-System kommt in die Balance, Entzündungsprozesse können verlangsamt oder gestoppt werden, die Selbstheilungskräfte werden stärker. 2 x 20 Minuten am Tag gelten als optimal für die Gesundheit!

Hormonproduktion ankurbeln

Das klingt kompliziert, ist es aber nicht: Unsere Muskeln produzieren die meisten Hormone. Ein Mix aus Kraft- und Ausdauertraining ist für das Immunsystem ideal!

Sich stark schlafen

Die Immunabwehr braucht lange Ruhephasen, um sich zu regenerieren. Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck haben nachgewiesen, dass bei Menschen, die versuchen, über ihre übliche Schlafenszeit hinaus wach zu bleiben, bereits nach drei schlaflosen Stunden die Funktion der T-Killerzellen beeinträchtigt ist.

Küssen für das Abwehrsystem

Beim Küssen überflutet uns ein Hormoncocktail: Dopamin, Serotonin und Endorphine lösen Glücksgefühle aus. Laut Kussforschern der Universität Amsterdam werden dabei bis zu 80 Millionen Bakterien ausgetauscht. Igitt? Im Gegenteil. Das macht Immunsystem und Zähne stärker.

Tagesbedarf an den wichtigsten Nährstoffen decken

Sekundäre Pflanzenstoffe stärken das Immunsystem – je farbintensiver und bunter sie sich in Obst und Gemüse zeigen, desto besser. Ballaststoffe entlasten auch den Darm, aus dem ein großer Teil des Immunsystems reguliert wird. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gilt mehr denn je: fünf Portionen Obst und Gemüse täglich!

Aminosäuren für das Abwehrsystem

Das Immunsystem braucht zur Produktion von Fresszellen, den weißen Blutkörperchen, und von T-Killerzellen Omega-3-Fettsäuren, Aminosäuren und Vitamin D. Ideal sind kaltgepresstes Pflanzenöl und Sonne.

Noch mehr Hausmittel zum Essen

Ingwer gilt als Allzweckwaffe. Sprossen enthalten konzentriert, was in den ausgewachsenen Pflanzen steckt, das heißt: Brokkoli und Rote Bete sind gesund, aber ihre Sprossen noch gesünder. Auch Shiitake-Pilze stärken das Immunsystem, wie Forscher an der University of Florida entdeckt haben.

Pflanzliche Nährstoffe für die Immunzellen, Ingwer für die Schleimhäute

Andreas Luthe und Timo Hildebrand ernähren sich seit Jahren nur von hochwertiger Bio-Pflanzennahrung. Luthe: „Auf die Mischung kommt es an: Obst, Gemüse, Nüsse – von allem etwas.“ Beeren zum Beispiel gelten als Wunderwaffen für das Immunsystem, weil sie Anthocyanidine enthalten: Das sind Gerbstoffe, die das Risiko senken, an bakteriellen und viralen Infektionen zu erkranken. Luthe und Hildebrand mögen auch die gesunde Schärfe von Ingwer und trinken viel Ingwertee. Hildebrand nutzt zur gezielten Stärkung auch Kurkuma, das als besonders antioxidativ und entzündungshemmend gilt. Andreas Luthe wird überhaupt nicht mehr krank, seitdem er sich pflanzenbasiert ernährt: „Eine Grippe, die andere Menschen ein bis zwei Wochen aus dem Leben rausnimmt, habe ich einfach nicht mehr.“

Mehr Zeit für Nähe statt Krankheitserreger

Positiv bewertet wurde und wird in dieser besonderen Zeit auch die Nähe zu den Menschen, die mit im Haushalt leben. Für Timo Hildebrands Sohn ging der Kindertraum in Erfüllung, seinen Papa den ganzen Tag für sich zu haben: „Ich war mit meinem Sohn oft im Garten und habe viel Zeit mit ihm verbracht. Das war eine wertvolle Erfahrung.“ Andreas Luthe erzählt, dass er im normalen Alltag oft im Hotel übernachten muss und „wir endlich einmal für uns sein konnten!“.

Viele Menschen kamen wie nach einer rauschenden Party zu sich und stellten fest, dass sie gar nicht so viel brauchen: nicht so viel Action, kaum Dinge. Hildebrand: „Unsere Gesellschaft lebt im Überfluss. Was mache ich heute, welche Veranstaltung ist morgen etc. Wir hatten Zeit, uns zu besinnen und uns mal wieder selbst zu spüren, ohne Ablenkungen.“ Und mit Krankheitserregern kommen wir dabei wie von selbst kaum in Berührung.

Andreas Luthe:

„Eine Grippe, die andere Menschen 1-2 Wochen aus dem Leben rausnimmt, habe ich einfach nicht mehr.“

Mehr Solidarität und Fußball mit Abstand

Die Verbundenheit und Solidarität wuchs übrigens über den sprichwörtlichen Gartenzaun hinaus. Die Profifußballer spendeten ihre Gehälter an Direkthilfe-Organisationen, z. B. Einkaufsservice für alte Menschen. „Wir haben das als Team getan“, berichtet Luthe und wünscht sich, „dass wir diese Solidarität mitnehmen in die Zukunft“. Er gründete schon zehn Jahre vor der Corona-Krise „In Safe Hands“ (www.insafehands.de), einen Verein, der „ein vorurteilsfreies und wertschätzendes interkulturelles Zusammenleben“ zum Ziel hat und Kinder über Sport und Bewegung fördert und u.a. von der BKK ProVita unterstützt wird. „Der Verein stellte Online-Übungen bereit.“ Inzwischen wird auch wieder gekickt: „Fußball mit Abstand. Der Ball bewegt sich schließlich alleine beim Passen.“ Timo Hildebrand meint, dass sich im Bewusstsein vieler etwas getan habe in den vergangenen Monaten: „Wir brauchen keine acht Flieger am Tag von Stuttgart nach Berlin oder dreimal am Tag Fleisch. Ich glaube, jeder sollte sich bewusst sein, etwas ändern zu können. Diese Pandemie hat uns gezeigt, dass wir ganz schnell neue Lösungen finden.“

Bitte positiv denken!

Was möchten die beiden den Menschen, die große Angst vor einer zweiten Welle haben, am liebsten zurufen? Timo Hildebrand: „Weiter respektvoll mit dem Thema umgehen, ohne in Angst und Panik zu leben!“ Andreas Luthe: „Lieber das Positive sehen als Gesellschaft: die Chance, etwas zu gewinnen, nicht nur zu verlieren. Was kommt, kommt, aber negatives Denken verdirbt dir den Spaß.“ Vielleicht surfen wir nicht auf der nächsten Welle, aber jetzt wissen wir, was geht: Dass wir sogar in Zeiten einer Pandemie Wertvolles gewinnen können.

Diesen Beitrag findest du auch im „Magazin fürs Leben“. Unsere frisch überarbeitete Mitgliederzeitschrift (vormals „aktiv & gesund“) bietet  viermal im Jahr eine anregende Lektüre.

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Über Karen Cop

Karen Cop ist Journalistin. Der BKK ProVita ist sie seit vielen Jahren als Autorin, seit einigen Jahren auch als Redaktionsleiterin des Mitgliedermagazins verbunden.

Ihre beiden Kinder sind schon groß, aber sie genießt es weiter, Mami zu sein: Weil es herrlich ist, durch die Augen seiner Kinder einen anderen Blick auf die Welt zu bekommen, und so schön, sich gegenseitig mit Aufmerksamkeit zu überschütten – auch wenn das manchmal anstrengend sein kann!