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„Achtsamkeit ist meine Verbündete“

Karima Stockmann über Atempausen, Glücksmomente – und ihre Lebensmission: Freude stiften!

Karima Stockmann hat trotz großer Herausforderungen gelernt, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und zu genießen. Im Interview erklärt sie, wie wichtig Eigenverantwortung, Selbstfürsorge und achtsame Ernährung sind, um herausfordernden Schreckgespenstern im Leben die Stirn zu bieten – und in genussvollen Atempausen mehr Glücksmomente zu erleben.

Von Antoinette Schmelter-Kaiser

Sie verstehen sich als „Lebensfreude-Stifterin“. Was bedeutet das konkret?

Mein Geheimrezept für Lebensfreude ist eine Balance aus Eigenverantwortung, Selbstfürsorge und vertrauensvollem Zulassen. An diesem Wissen möchte ich andere Menschen mit konkreten Tipps in meinem Blog, Büchern, Videos, Vorträgen und Workshops teilhaben lassen.

Meditation und Achtsamkeit helfen beim Erspüren eigener Bedürfnisse. Sie nutzen beides – warum?

Vor allem in turbulenten Zeiten nehme ich mir direkt morgens Zeit zum Meditieren, um zur Ruhe zu kommen und danach meine Gedanken ordnen zu können. Durch achtsames Nach-innen-Spüren werde ich wachsam für unerfüllte Bedürfnisse und kann diesen dann im Alltag bewusst mehr Raum geben.

Waren Sie selbst schon immer gut in Selbstfürsorge?

Mit 17 Jahren erkrankte ich an Typ-1-Diabetes und kam nicht drum rum, auf meinen Körper zu hören. Heute ist Selbstfürsorge mein Lebenselixier und hat mir auch bei weiteren Schicksalsschlägen den Rücken gestärkt. Nur wenn ich selbst gut für mich sorge, bleibe ich kraftvoll und zuversichtlich – unabhängig von meinen Lebensumständen.

Welche ersten Schritte kann jeder für mehr Selbstfürsorge tun?

Für sich selbst da zu sein, bedeutet, sich in „guten wie in schlechten Zeiten“ selbstbestimmt Wohlfühlmomente zu erschaffen. Es muss nicht immer alles eitel Sonnenschein sein. Sich bewusst zu machen, dass auch unangenehme Gefühle und Schmerz einen legitimen Platz im Leben haben, ist der erste Schritt in ein unbeschwerteres, selbstfürsorgliches Leben. Denn Widerstand gegen Unveränderbares ist kräftezehrend. Wenn wir unangenehme Emotionen zulassen und durchleben, können sie irgendwann weiterziehen.

Welche kleinen Helfer und Kraftoasen für mehr Glücksmomente können Sie empfehlen?

Die Sinne bewusst einzuschalten, öffnet den Blick, die Ohren und das Herz für Glücksmomente. Es ist gut, dem Alltag durch Kleinigkeiten mehr Glanz zu geben, z. B. indem ich bei Hausarbeiten schöne Musik höre und bewusst atme oder mir auf dem Arbeitsweg einen inspirierenden Podcast anhöre.

Was sabotiert unsere Selbstfürsorge?

Viele Menschen genießen einen hohen Medienkonsum. Dies ist unbewusst oft ein Ablenkungsmanöver von unangenehmen Emotionen. Es verhindert ein Auseinandersetzen mit den eigenen Herausforderungen und Bedürfnissen. Der Vergleich mit anderen drückt zusätzlich auf die Stimmung. Es hilft, sich Raum für Stille und Nichtstun zu schaffen, um bei sich selbst zu bleiben und seinen eigenen Weg zu finden.

Ernährung und Wohlbefinden sind eng miteinander verknüpft. Warum genau haben Sie sich intensiver mit dem Thema Ernährung beschäftigt?

Meine Diabetes-Diagnose jagte mir damals ganz schön Angst ein. Da eine bewusste Ernährung das Risiko für Folgeerkrankungen und Komplikationen reduzieren kann, habe ich mich intensiv mit meinem eigenen Essen und Trinken auseinandergesetzt. Um dieses Wissen zu vertiefen und in Seminaren weitergeben zu können, habe ich eine Ausbildung zur Diätassistentin gemacht. Nach einigen Berufsjahren in einer Apotheke und Adipositas-Tagesklinik wollte ich jedoch ganzheitlicher wirken. Heute widme ich mich deshalb als „Lebensfreude-Stifterin“ in meinen Büchern und Vorträgen überwiegend dem seelischen und mentalen Wohlbefinden.

Was ist Ihnen persönlich beim Essen wichtig?

Ich schaue nicht so auf das, was ich nicht essen darf oder sollte. Sondern lenke meinen Fokus eher darauf, was meinen Körper stärkt – wie Gemüse, Salat, Obst, Hülsenfrüchte oder Kräuter. So steht die Lösung im Vordergrund. Anstelle von Chips gönne ich mir Nüsse als Snack, bei Lust auf Süßes ein Stück dunkle Schokolade statt Gummibärchen.

Warum spielen pflanzenbasierte Lebensmittel in einer achtsamen Ernährung eine große Rolle?

Gemüse und Obst sind Powerpakete. Sie enthalten nicht nur Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe. Wie eine Art Naturapotheke wirken diese antibakteriell sowie antikanzerogen und beeinflussen den Blutdruck. Fünf Portionen pro Tag gelten als Empfehlung, es darf aber gern mehr sein. Dabei sollte ich jeden Tag die ganze Farbpalette nutzen. So kann ich sicher sein, dass mein Körper alles Wichtige bekommt.


Die vegane Lebensmittelpyramide

Um bei einer rein pflanzlichen Ernährung eine optimale Versorgung mit allen Nährstoffen umzusetzen, kann als einfache Orientierung die Gießener vegane Lebensmittelpyramide verwendet werden. Fordern Sie die Gießener vegane Lebensmittelpyramide kostenfrei hier an.


Kann ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen und mir nach dem Lustprinzip alles gönnen?

Das Bauchgefühl allein funktioniert leider oft nicht mehr, da viele Menschen chronisch gestresst sind. Mit dem Genuss energiereicher Lebensmittel werden fehlende positive Emotionen dann unbewusst kompensiert. Wer sich also aktuell lieber nicht auf sein Bauchgefühl verlässt, kann seinen Speiseplan gezielt so zusammenstellen, dass Nährstoffmangel vermieden wird. Wer sich etwa vegan ernährt, sollte im Speiseplan auf ausreichend pflanzliches Eiweiß – z. B. aus Hülsenfrüchten – achten und auch seinen Vitamin-B12-Status im Auge behalten.

Wie gelingt es, neue Ernährungs- und Verhaltensweisen auf Dauer durchzuhalten?

Indem wir Gewohnheiten etablieren. Anfangs bedeuten Veränderungen für unser Gehirn einen Mehraufwand. Manch einer braucht dann einen harten Schnitt und lässt bestimmte ungünstige Lebensmittel direkt komplett weg. Viele fahren aber mit flexibler Kontrolle besser und essen zum Beispiel bestimmte Lebensmittel nur noch an zwei Tagen in der Woche. Zu viel Druck und rigide Essensregeln sind unserem Wohlbefinden nämlich auf Dauer auch nicht zuträglich.

Was schützt vor Rückfällen?

Wer wie ich leicht in Versuchung gerät, sollte Süßes, Chips & Co. nicht sichtbar herumstehen lassen. Stattdessen lieber aromatisches Wasser mit Kräutern und ein paar Zitronenscheiben ins Sichtfeld stellen. Dann greift man eher zum Aromawasser statt zum Snack.


Karima Stockmann

Karima Stockmann ist ausgebildete Diätassistentin und hat zahlreiche Fort- und Weiterbildungen u. a. zur Meditationslehrerin und Stressmanagement-Trainerin gemacht. Seit zehn Jahren arbeitet sie als „Lebensfreude-Stifterin“ und gibt in Vorträgen, Büchern und Blogartikeln (karima-stockmann.info) alltagstaugliche Tipps für mehr Zufriedenheit und Leichtigkeit. Dabei kooperiert sie regelmäßig mit Betriebskrankenkassen, darunter die BKK ProVita. Weil sie deren ganzheitliches Angebot überzeugte, wurde sie Mitglied.


Hallo Baby - Magazin fürs Leben 03/21

Dieser Beitrag erschien zuerst im „Magazin fürs Leben“ (Ausgabe 3/2021). Unsere Mitgliederzeitschrift bietet viermal im Jahr viele spannende Themen.

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Über Antoinette Schmelter

Antoinette Schmelter-Kaiser ist Journalistin, fährt wann immer möglich mit dem Rad und wandert in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne in den Bergen. Zuhause bezieht sie Ökostrom und nutzt energiesparende LED-Lampen.